Poetin    Maria    Schiffner

Zeitkritisches

 



 

 


 

Der Schneehase

Zwei Tage hintereinander hatte der Förster Rothard nun diesen Hasen schon gesehen, der gar nicht in die Gegend passte, weil er ein ganz weisses Fell hatte. Aber nie kam er nahe genug heran, dass der Förster hätte feststellen können, ob es ein echter Schneehase war oder nicht. Trotzdem man Jänner schrieb, gab es keinen Schnee, es war auch nicht kalt, da fiel der weisse Hase desto mehr auf.

Eines Morgens aber sprang der Hase dem Förster direkt vor die Füsse, gerade, dass er noch herausbrachte: "Sag mal, Hase, was machst du eigentlich hier bei uns in deinem weissen Pelz?"

Als der Hase das hörte, setzte er sich hin und sagte: "Ein waschechter Schneehase, wie die im Hochgebirge bin ich nicht, aber andersrum bin ich doch ein Schneehase. Ich habe die Gabe, meine Farbe zu ändern, wenn Schnee erwartet ist.
Jetzt ist schrecklich viel Schnee in Sich, wie noch nie. Schau nach den Futterstellen, dass überall genug Vorräte sind." "Glaub ich nicht", sagte der Förster. "Na, du wirst es schon sehen." Auf dem Heimweg dachte der Förster nach, dass er den Hasen doch hätte fragen sollen, wer ihm die Gabe des weissen Kleides verliehen hatte. Etwa gar die Frau Holle? Dann könnte es mit dem vielen Schnee am Ende doch stimmen.

Zwei Tage später fing es an zu schneien und hörte nicht mehr auf. Alle Wege waren schon zu, die Dörfer von der Umwelt abgeschnitten. Der Förster hatte wohl Vorräte an die Futterstellen gebracht, aber die gingen sicher bald zu Ende, wenn es so weiter schneeite und die Tiere sonst nirgends etwas fanden. Zum Unglück hatte er seine Schneeschuhe in Jägersruh gelassen und jetut wusste er nicht, wie er dorhin kommen sollte. Weil aber keine Aussicht was, dass es besser würde, machte er sich zu Fuss auf den Weg, der Ziemlich weit und ganz zugeschneit war. Sehr langsam kam er vorwärts, weil er ganz tief einsank. Endlich erreichte er das Blockhaus und holte seine Schneeschuhe heraus. Nun ging es leichter mit dem Futter.

Es dauerte mehrere Tage ehe die Schneepflüge an die eingeschneiten Dörfer herankamen, in denen alle Männer schon eineige Wege freigeschaufelt hatten, aber die scheniten immer wieder von neuem zu. An den Wegrändern lagen über zwei Meter hohe Wälle. In den Vogelhäuschen war Hochbetrieb. Jetzt fanden die armen Vögel gewiss sonst nirgends Nahrung. Ganze Schwärme Bergfinken sassen in den Hecken. Es dauere nicht lange bis sie meimisch wurden und dann jagten sie eineander weg und alle sonstigen Vögel auch. Kein Mensch wusste, wo die vieln Amseln sonst lebten, die jetzt draussen sassen. Die Häher aber blieben schei, sie erwischten eilig irgendeinen grossen Brocken und flogen damit in den Wald.

Die Grosseltern hatten schon lange ausprobiert, was die Vögel am liebsten frassen. Die Kohlmeisen und die Kleiber hackten Sonnenblumenkerne auf, die Nonnenmeisen schleppten gleich mehrere Kerne auf einmal weg, Blaumeisen undn Tannenmeisen hielten sich an Haferflocken, wie die Braunellen oder Weichfutter, alle stürzten sich auf zerdrückte Erdnüsse oder auf das Töpfchen mit Fett und Haferflocken. Das schmeckte auch den Amseln am besten, während die Häher Fleischreste am liebsteb hatten, sich aber auch mit alten Brötchen begnügten, wenn nichts anderes da war. Manchmal kam auch eine ganze Schar Hmmflinge und hie und da ein feuerroter Gimpel.

Sah man in diesen Tagen einmal ein Auto, klebten vie, fünf Leute hinten dran, die es choben. Kein Mensch konnte sich an solche Schneemassen erinnern.

Endlich fing es aber doch an zu tauen und dann ging es sehr schnell. Die Wege wurden zuerst frei, nur die Schneewälle lagen noch Wochenlang..

Förster Rothard stellte fest, dass alle seine Tiere durchgekommen waren und musste immer wieder an den Schneehasen denken. Er hatte also doch recht gehabt.

                                                                                                                                                                                                                                                     ZURÜCK ZU GESCHICHTEN
web by dobay
  Nutzung Kontakt